Freitag, 10. Juni 2022
"Kreuzfahrt"
Heute kreuzen wir wild durch die Küstenlandschaft westlich und nördlich von Trondheim. Entlang der Küste, um Fjorde und sonnige Buchten, durch Birken- und Nadelwälder, vorbei an gut gepflegten Gärten mit blühenden Obstböumen. Gute und breite Asphaltstraßen verleiten die Lisl dazu, sich elegant in den Kurven gehen und tief hinein fallen zu lassen. Sie genießt ihre Freiheit! Es ist kaum Verkehr und so haben wir Fahrspaß pur! Lediglich ein paar kurze Erdstraßen-Passagen rütteln uns aus dem Kurventraum wach und zeigen usn noch andere Seiten des Straßen-Netzwerks. Wir lieben diese Abwechslungen!
Das Wetter ist herrlich, die Kleidung passt und wir verweilen immer wieder! Abgesehen von Vesperpausen gibt es auch Telefonpausen an schönen Plätzen neben der Straße. Dort stelle ich fest, dass der Verkehr eigentlich gar nicht so mager ist - dennoch bleiben wir anscheinend gut davor verschont. Der Navigator führt uns auch durch die Stadt auf Abwegen. Der weitere Weg führt wieder parallel zur Hauptstraße auf der anderen Seite des Flusses entlang. Es dauert nicht lange, da finden wir wieder ein wunderschönes Zeltplätzchen: gemähte Wiese, direkt am Wasser, eben, viel Platz.
Die bekannte Maggi-Hackfleisch-Käse-Suppe mit den zusätzlich erforderlichen Zutaten Hackfleisch, Käse und Lauch bekommt von mir als Zugabe: keinen Käse (ist aus), Reis (sieht gehackt aus), Wurst (enthält hoffentlich Fleisch) und Tomate (ist auch Gemüse). Bin sehr gespannt auf den Geschmack! Mm - ganz ordentlich!
Während ich nun den heutigen Blog schreibe, kommt ein Gefährt angezockelt: 6-rädriges ATV mit Alu-Boot auf dem Anhänger, ganz nach meinem Geschmack. Bin ich im Weg? Ich zelte ja quasi in der Einfahrt zum Fluss. Nein, nein. Der gute Mann kramt sogar etwas Deutsch heraus und ich natürlich mein Norwegisch. Es wird eine nette kleine Unterhaltung. Er geht jetzt angeln und hofft auf ein paar Lachse. Ja, die gibt es jetzt schon, sind aber schwierig zu fangen. Er hat bestimmt mindestens 6 Angeln dabei! Petri Heil! Fast entschuldigt er sich noch, dass er auf dem Heimweg wieder an mir vorbeifahren muss...vielleicht schlafe ich ja schon? Der Wind frischt etwas auf und treibt dickere Wolken vor sich her. Angeblich ist ja ab morgen Regen angesagt.
Donnerstag, 9. Juni 2022
Typisch Norwegen
Auch die Landschaft ist und bleibt Norwegen: die krassesten Fjorde und Wasserfälle liegen hinter uns. Wir touren durch nicht mehr so hohe aber nicht weniger steile Berge, entlang von Fjorden und Seen und durch grüne Wiesen und Felder. Fähren und Tunnel reichen sich die Hand. Manchmal weiß man wirklich nicht, ob man sich nun gerade auf einer Insel oder auf dem Festland befindet. Eine hochträchtige Elchkuh streckt uns beim weiden das Hinterteil zu und hält es nichtmal für nötig, den Kopf zu heben. Eine kleine Abwechslung bieten mir zwei reisende Ladies, von denen ich ein Foto machen soll. Sie verwickeln mich in ein Gespräch über woher, wohin und warum.
Einige Wanderer mit riesigen Rucksäcken treiben sich hier herum. Einer "missbraucht" sogar seinen Hund, der anscheinend sein eigenes Bett auf dem Rücken tragen muss. Das sieht sehr lustig aus.
Die Lisl versieht weiterhin treu und zuverlässig ihren Dienst, was man vom Handy nicht behaupten kann. Es mag gerade mal wieder nicht geladen werden. Obwohl es ständig erzählt, "Akku lädt" wird dieser schwächer und schwächer, bis er zum Feierabend bei 11% angelangt ist. Ich verstehe diese Ladestrategie nicht!
Auf mittelprächtigen Erdwegen und dann auf einem schönen Wiesenweg gelangen wir an ein anscheinend ausgedientes kleines Kraftwerk. Hier ist die Welt an einem Abgrund zu Ende - da hat sich aber jemand ordentlich verirrt! Oh - der Navigator weist immer noch auf einen Weg hin, den ich aber erst bei sehr genauem Hinsehen erkennen kann. Im dichten Wald führt ein zugewachsener Pfad steil in die Tiefe ... nein, da spielen wir nicht mehr mit! In unserem Alter muss man so einen Blödsinn nicht mehr machen. Lieber umdrehen und eine gemütliche Asphaltstraße suchen. Es wird zwar dann auch wieder ein guter Erdweg, aber geht doch!
Für die Übernachtung fange ich heute frühzeitig an zu suchen. Da springt mir ein Platz im "Industriegebiet" ins Auge: ein ebener Grasplatz direkt am Meer, mit Bootsstegen ausgestattet und sogar mit einer überdachten Sitzgruppe! Ich vermute, das gehört zu der kleinen Firma nebenan, die aber jetzt Feierabend hat. Zwei verspätet abfahrende Angestellte scheint meine Anwesenheit in keiner Weise zu stören und morgen früh ist die Nacht ja um.
Mittwoch, 8. Juni 2022
Ode an die Lisl
Dienstag, 7. Juni 2022
wenig Kilometer
Gerade als die ersten Motorradfahrer vorbeirollen, schlägt auch Lisls Herz wieder. Sie seufzt noch etwas - ist ihr 9 Uhr etwa zu früh? Auch der Rückenprotektor in der Jacke ist noch steif und unförmig von der Nacht.
Landschaft und Straßen sind einfach unbeschreiblich - auch in Fotos kann man die Schönheit nicht wirklich festhalten. Auf den eingezäunten Wiesen grasen mehr Ziegen als Schafe. Wir gondeln hier durch die herrlichste Landschaft die man sich vorstellen kann bei dem allerbesten Wetter. Dennoch fliegt alles ziemlich unbemerkt an mir vorbei - meine Gedanken sind gefangen in nervigen und unverständlichen Nachrichten aus Deutschland. Ein Autofahrer, der mich fast an die Leitplanke drückt und erst im allerletzten Moment das Steuer herumreißt, tut ein Übriges dazu.
Die Mittagspause an einer Tankstelle neben einem hübschen Fluss dauert ganze zwei Stunden, nur um meinen "Bürokram" zu erledigen. Und dabei habe ich noch nicht einmal die für mein norwegisches Leben wichtigen Dinge (Studium und Glasfaserkabel) gemacht. Immerhin bringt es mir nun einen freien Kopf und wir können uns wieder auf unsere Reise konzentrieren. Mit meinem Pfadfinder bin ich heute recht zufrieden, er findet nette Alternativen zu den großen und viel befahrenen Europastraßen. Auch das Handy spielt mit und entlädt sich nicht. Sehr lange dürfen wir um den See Jølstravatnet herumkurven. In der Ortschaft Breim kommt uns ein Kütschchen entgegen, dessen Zugpferd anscheinend gerade angelernt wird. Kurz darauf grüßt uns eine kleine Herde Fjordpferde - hier scheint ein Gestüt oder zumindest ein Reiterhof zu sein. Kunststück - wir sind ja schließlich gerade in Fjord-Norwegen. Fjordpferde sind übrigens meine Lieblingspferde!Unscheinbar ist an der Straße der "Eidsfossen" angeschrieben. Wenn ein Wasserfall ein Hinweisschild wert ist, dann ist er vielleicht sehenswert? Ein gut berfahrbarer Erdweg führt uns zum angrenzenden Kraftwerk, der beeindruckende Wasserfall selbst scheint von den Touristen verschont zu sein. Auf jeden Fall! Der angenehme Nebeneffekt - mein Pfadfinder entdeckt noch weitere Abwege zur Hauptstraße.
Huch - die Straße endet? Eine Fähre steht schon in den Startlöchern aber die Schilder über den Parkspuren, wohin sie fährt kann ich so schnell gar nicht lesen. Na gut, dann nehmen wir eben ein "Schiff nach Irgendwo". Direkt hinter mir schließt sich die Schranke und die Fahrt geht los. Die Überfahrt ist kurz aber ich habe immerhin genug Zeit, zu schauen, dass wir richtig unterwegs sind. Gleich droht uns wieder ein Tunnel und danach landen wir in Nordfjordeid - dort gibt es eine Niederlassung von "Biltema". Die haben genau den Handyhalter, den ich jetzt brauche und Handschuhe, da meine aktuellen schon ziemlich zerfleddert sind. Direkt vor dem Geschäft parkt schon wieder die AIDA! Auch schon da? Und natürlich mit den ganzen Touris. 2 davon schlendern an der Lisl vorbei und der eine sagt zu seinem Kummpel mit interessiertem Blick auf das Motorrad "so muss ein Moped aussehen!". Das freut mich!
Nur wenig später finde ich einen tollen Platz; auch wenn wir heute nicht weit gefahren sind, habe ich für den Abend noch einiges vor. Ein Waldstückchen mit Nadelboden an einem See, die wenig befahrene Straße nebenan. Kaulquappen tummeln sich in Ufernähe. Es gibt einen Tisch, aber ohne Bank. Das stört mich nicht, denn mein Einbeinhocker ist ja auch noch da. Im Lauf des Abends kommen ein paar Autos und Wohnmobile vorbei, aber als sie sehen, daß ich schon Besitz von dem Fleckchen ergriffen habe, verziehen sich alle wieder. Ich bleibe sehr gerne alleine. Da kann ich ein wenig an der Lisl rumschrauben und die Navigationsgeräte ordentlich verbauen. Bin gespannt, ob sich meine Lösung morgen bewähren wird. Um die Griffheizung mag ich mich immer noch nicht kümmern - vielleicht bin ich ja auch von dem herrlichen warmen Wetter zu sehr verwöhnt? Zum Baden ist mir das Wasser zwar doch zu kalt, aber eine ordentliche Wäsche für Körper, Haare und Wäsche ist auf jeden Fall drin. Ein wunderschöner Abend mit diesem frischen Gefühl!Montag, 6. Juni 2022
Tunnelblick
Sonntag, 5. Juni 2022
Norwegens Schönheiten auf Abwegen
Stundenlang kreuzen wir nun über Erdwege mit tiefen Auswaschungen, Schlaglöchern oder Waschbrett und kleine Asphaltstraßen mit Frostbeulen und sehr schlecht geflickten Löchern. Die Lisl schluckt tapfer und klaglos alles, was ihr der Untergrund bietet. Brave Lisl!
Irgendwann neigen sich die Waldwege jedoch dem Ende zu - mit phantastischen Ausblicken auf im Tal liegende riesige Seen, rollen wir hinunter Richtung befestigter Hauptstraße.
Die Griffheizung ist ausgefallen. Erstmal ist das ein Luxusproblem. Schließlich darf die Lisl ja auch mal Zahnschmerzen haben. Da keine Sicherung dafür verantwortlich ist, wird es wohl eine größere Suche werden, auf die ich derzeit keine Lust habe. Als wir dann aber über das Filefjell fahren, frieren mir die Finger ordentlich ein. Schneefelder liegen auf dieser Höhe und auf den Seen schwimmen teilweise noch Eisplatten,
Eigentlich wollte ich hier irgendwo zelten, nicht wissend, dass die Straße über das Filefjell auf über 1000 m verläuft. Die Hauptstraße führt parallel dazu in einem langen Tunnel durch den Berg. Also fahren wir weiter, in der Hoffnung, zu christlicher Zeit noch in wärmere Gefilde zu gelangen. "Borgund" ist ganz unscheinbar angeschrieben. Ist das DAS Borgund mit der berühmten Stabkirche? Ja, ist es. Neben den 2 Bauernhöfen thront ein riesiges Touristenzentrum mit Infos zur Kirche. Auf der anderen Straßenseite steht dann die Kirche, ziemlich unscheinbar. Obwohl fast keine Touristen da sind, habe ich auf eine Besichtigung keine Lust.
Lange suchen wir nach einem geeigneten Zeltplätzchen. Auf den einzigen offenen Campingplatz möchte ich nicht, ansonsten ist das Tal eng oder die Wiesen sind abgezäunt. Oder Campen ist verboten. Letztendlich finden wir auf der anderen Flussseite einen kleinen Weg, an dem ein Häuschen zur Wasseraufbereitung steht. Davor ist ein einigermaßen ebenes Plätzchen für das Zelt. Der Bach rauscht...oder besser: der reißende Fluss tost! Es ist ein gleichmäßiger, dumpfer Ton, der mich sicher gut schlafen lässt.






















































